BEYOND THE 38TH

Einblicke hinter den 38. Breitengrad Nordkoreas

Nordkorea begleitet mich, Yasmin, seit über einem Jahrzehnt. Als Soziologin und Anthropologin faszinieren mich gesellschaftliche Strukturen – ihre Mechanismen, ihre Besonderheiten, ihre Widersprüche. In Nordkorea sind sie zugleich faszinierend und erschütternd.

Doch vor allem stehen die 26 Millionen Menschen im Mittelpunkt – Menschen mit Geschichten, die kaum Gehör finden. Jede dieser Geschichten verdient es, erzählt zu werden.

Solange die Menschen in Nordkorea nicht frei sprechen können, möchte ich eine Brücke sein – ein Sprachrohr für ihre Realität sein, einen Beitrag zur Aufklärung leisten und mich für ihre Rechte einsetzen.

Seit der Gründung Nordkoreas 1948 hat eine Familie das Land unangefochten regiert: die Kim-Dynastie. Geprägt von totalitärer Herrschaft, Personenkult und internationaler Isolation, erstreckt sich ihre Macht mittlerweile über drei Generationen – von Kim Il-sung über seinen Sohn Kim Jong-il bis zu dessen Nachfolger und aktuellem Machthaber Kim Jong-un. Doch wie hat sich die Herrschaft dieser Familie über die Jahrzehnte entwickelt, und welche Auswirkungen hatte sie auf das Land?

Kim Il-sung – Der „Ewige Präsident“ (1948–1994)

Kim Il-sung war der Begründer Nordkoreas und prägte das Land maßgeblich. Nach seiner Rückkehr aus dem sowjetischen Exil wurde er von der Sowjetunion als Führer eingesetzt. 1948 rief er die Demokratische Volksrepublik Korea (Nordkorea) aus und formte einen totalitären Staat nach stalinistischem Vorbild. Seine Herrschaft war durch einen extremen Personenkult geprägt, der ihn als unfehlbaren „Großen Führer“ glorifizierte.

Unter Kim Il-sung wurde die Ideologie der Juche (Selbstversorgung und Unabhängigkeit) zur Staatsdoktrin, wodurch Nordkorea zunehmend isoliert wurde. Er führte das Land durch den Koreakrieg (1950–1953) und etablierte ein repressives politisches System mit Konzentrationslagern für Regimekritiker. Trotz wirtschaftlicher Rückschläge blieb seine Macht unangefochten, bis er 1994 starb – offiziell bleibt er jedoch bis heute „Ewiger Präsident“ Nordkoreas.

Kim Jong-il – Der „Geliebte Führer“ (1994–2011)

Kim Jong-il übernahm nach dem Tod seines Vaters die Macht und führte dessen Politik fort. Er war bereits seit den 1980er-Jahren als inoffizieller Nachfolger aufgebaut worden, was den ersten dynastischen Machtwechsel in einem sozialistischen Staat markierte. Während seiner Herrschaft wurde Nordkorea noch isolierter und erlebte eine schwere Hungersnot in den 1990er-Jahren, die Millionen Menschen das Leben kostete.

Er forcierte die „Songun“-Politik, die die Armee über alle anderen Staatsorgane stellte. Gleichzeitig begann Nordkorea unter seiner Führung mit der Entwicklung von Atomwaffen, was zu internationalen Sanktionen führte. Trotz wirtschaftlicher Probleme sicherte er seine Macht durch brutale Unterdrückung und Propaganda. Sein Tod im Jahr 2011 führte zum nächsten dynastischen Übergang – diesmal zu seinem jüngsten Sohn, Kim Jong-un.

Kim Jong-un – Der „Oberste Führer“ (seit 2011)

Kim Jong-un trat nach dem Tod seines Vaters die Herrschaft an und war zunächst eine weitgehend unbekannte Figur. Schnell festigte er seine Macht durch eine brutale Konsolidierung, die die Beseitigung potenzieller Rivalen innerhalb der Regierung und der eigenen Familie einschloss.

Seine Regierungszeit ist geprägt von einer aggressiven Außenpolitik, insbesondere durch den Ausbau des nordkoreanischen Atomprogramms. Gleichzeitig modernisierte er das Land in begrenztem Maße, indem er technologische Innovationen und begrenzte wirtschaftliche Reformen zuließ. Dennoch bleibt Nordkorea weiterhin eines der repressivsten Länder der Welt, mit massiven Menschenrechtsverletzungen und wirtschaftlicher Isolation.

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